Analog
Kodak Portra 400 am Meer – Sommer in Ca'Pasquali mit der Olympus OM-2N
Manchmal nimmt man die Kamera mit in den Urlaub — nicht um zu arbeiten, sondern einfach weil man es nicht lassen kann. So war es auch diesmal. Die Olympus OM-2N, ein Kodak Portra 400, und eine Woche an der Adria in Ca’Pasquali.
Ca’Pasquali – zwischen Venedig und dem Meer
Ca’Pasquali liegt auf der Halbinsel Cavallino-Treporti, einem schmalen Landstreifen zwischen der Lagune von Venedig und der Adria — nur etwa 20 Kilometer vom Markusplatz entfernt, gefühlt aber eine andere Welt. Kein Lärm, keine überfüllten Gassen, kein Touristengedränge. Stattdessen: Pinien, Palmen, gepflegte Strände und das Meer direkt vor der Tür.
Der Strand selbst ist organisiert — Liegestühle, Sonnenschirme, hölzerne Strandwege, die sich bis zum Wasser ziehen. Rettungsschwimmer auf ihren Türmen, Volleyballnetze, ruhiges Flachwasser. Es ist der Typus itlienischen Strandbades, der seit Jahrzehnten funktioniert, weil er das Wesentliche richtig macht.
Warum Ca’Pasquali für Familien mit Kindern ideal ist:
Das Wasser an der Adria ist in dieser Region flach und warm — Kinder können weit hinausgehen, ohne dass es tief wird. Der Sandstrand ist fein und sauber, der Eintritt in die Kabine des Strandes organisiert. Die hölzernen Strandwege machen den Weg von der Anlage zum Wasser auch für Kinderwagen und Kleinkinder problemlos. Ringsum gibt es Schatten durch die Palmenallee, Duschen direkt am Strand und die entspannte Atmosphäre eines Ortes, an dem Familien seit Generationen Urlaub machen.
Venedig ist mit dem Boot in etwa 45 Minuten erreichbar — aber man braucht es nicht. Ca’Pasquali ist vollständig.
Der Film – Kodak Portra 400 im Sommerlicht
Ich habe an diesem Strand bereits mit dem Kodak Ultramax 400 fotografiert und weiss, wie ein Alltagsfilm in harten Lichtbedingungen reagiert: aggressiv, kontrastreich, mit sichtbarer Körnung. Diesmal wollte ich sehen, was der Portra 400 unter denselben Bedingungen macht.
Der Unterschied ist sofort spürbar — aber auf eine ruhige Art.
Das Sommerlicht an der Adria ist gnadenlos. Direkte Mittagssonne, weisser Sand als natürlicher Reflektor, blanker Himmel. Genau hier zeigt der Portra, warum er als Profifilm gilt: Er schluckt das Licht, ohne in den Lichtern zu kippen. Die Weissen der Sonnenschirme bleiben weiss, nicht ausgefressen. Die Blautöne des Himmels und des Meeres bleiben nuanciert und kühl, ohne synthetisch zu wirken. Und die Haut — wo sie im Bild auftaucht — hat diesen charakteristischen Portra-Ton, warm und natürlich, ohne nach Bearbeitung auszusehen.
Was mich besonders überrascht hat: die Schattenzeichnung. Wo der Ultramax Schatten tendenziell ins Blaue drückt und dort etwas zusammenfallen lässt, behält der Portra auch in den dunklen Bereichen Details. Man sieht noch Struktur im Holz des Strandwegs, Textur im feuchten Sand, Tiefe in den Palmenstämmen.
Der Portra ist kein Film, der auf sich aufmerksam macht. Er ist der Film, der das Bild zeigt — ohne sich selbst dabei in den Vordergrund zu spielen.
Der glückliche Fehler
Das erste Bild auf dem Film hat einen Lichteinfall — eine breite weisse Lichtspur, die von links ins Bild dringt und fast die Hälfte des Frames übernimmt. Klassischer Filmfehler: Die Kassette wurde zu früh im Hellen geöffnet, oder der Film ist zu langsam in die Kamera gewandert.
Im digitalen Denken wäre das ein Ausschuss. Auf Film ist es ein Dokument.
Die Umbrellas dahinter, der tiefe Blau des Himmels, die organische Grenze zwischen Licht und Bild — es sieht aus wie eine Absicht. Das ist der Zauber von analoger Fotografie: Was schiefgeht, geht oft schöner schief als alles, was man geplant hat.
Die Kamera im Urlaub
Mit einer analogen Kamera in den Urlaub fahren bedeutet, langsamer zu werden. Man hat 36 Bilder — kein Nachladen, keine zweite Chance. Man überlegt, ob dieses Licht das Bild wert ist. Ob dieser Moment es ist.
Die OM-2N macht das einfach: Blendenautomatik, man wählt die Blende, die Kamera wählt die Zeit. Am Strand bedeutet das meistens f/8 oder f/11 — klein geblendet, alles scharf, keine Ablenkung durch Technik. Man schaut, man wartet, man drückt ab.
Das Ergebnis sind keine perfekten Bilder. Es sind ehrliche Bilder. Bilder, die aussehen wie Sommer, nicht wie eine Produktfotografie davon.